Champion – Der „Urvater“ der Entsafter

Bereits im Jahr 1955 in den USA erfunden, wird der Champion seither als elektrische Saftpresse in nahezu unveränderter Form hergestellt. Wie es sich für einen „Urvater“ der Entsafter gehört, zeigt er sich sehr robust und mit seine rund 10 kg als besonders schwergewichtig. Verantwortlich hierfür ist seine metallische Ummantelung, die seine aus Edelstahl und Nylon bestehenden Funktionsteile umschließt. Die Champion Saftpresse wurde 2003 von Stiftung Warentest getestet und kam auf den zweiten Platz direkt nach der Green Star Saftpresse. Sie überzeugte vor allem durch ihre Ausdauer, aber auch durch ihre einfache Bedienung. In diesem Artikel sehen wir uns die Vorteile, aber auch die Nachteile des Champion Entsafters an.

Technische Daten

  • Entsafter-Typ: Elektrische Saftpresse – horizontal
  • Entsaftertechnik: Schneidewerk
  • Umdrehungen pro Minute: 1.400 U/min
  • Einfüllöffnung ø: 4,5 cm
  • Leistung: 420 Watt
  • Maximaler Dauerbetrieb: keine Angaben
  • Pressdruck / Geschwindigkeit einstellbar: nein
  • BPA-frei: ja [4]
  • Fassungsvolumen Saftbehälter: ca. 1 l
  • Materialien: Metall-Gehäuse, Edelstahl-Teile, Nylon
  • Gewicht: 10.4 kg
  • Maße (B x T x H): 19,5 x 46,5 x 34 cm

Aufbau des Champion Entsafters

Das massive Antriebsteil mit dem 420 Watt starken Motor bildet das Grundgerüst des Champion Entsafters. Entsprechend seiner Bedienungsanleitung wird es durch das Aufsetzen des Schneidvorsatzes, des Vorsatzes mit dem Einfüllstutzen, dem Einlegen von Sieb oder Platte und dem Auslaufstutzen vervollständigt. Der Schneidvorsatz ist mit kleinen, gehärteten Edelstahlklingen besetzt, die das Saftgut raspeln, bevor es durch das Sieb hindurch ausgepresst wird. Das ist ein Vorteil gegenüber modernen Saftpressen mit Press-Schnecken, da die Schnecken meist aus Kunststoff bestehen. Neben dem feinen Sieb steht auch eine in Halbschalenform gestaltete Platte zur Püreeherstellung zur Verfügung. Anschließend ist das Gerät durch das Aufsetzen des Trichters auf den 55 x 40 mm großen Einfüllstütze einsatzbereit.

Bedienung des Entsafters

Wichtig bei der Bedienung ist, dass die Zuführung des gereinigten und zerkleinerten Obstes und Gemüses mithilfe des Stopfers mit einem möglichst gleichmäßigen Druck erfolgt. Gleichmäßiges Einfüllen und ein geringerer Druck lassen eine größere Saftausbeute erwarten. Für das Auffangen des Saftes ist eine Schüssel erforderlich, da der Saftauslass sehr breit ist. Auch der entstehende Trester muss über eine unter der Vorsatzöffnung platzierte Schale aufgefangen werden. Der beim Champion recht speziell erfolgende Pressvorgang verläuft besonders effektiv, wenn frisches Obst und knackiges oder vorgekühltes Gemüse zum Einsatz kommt.

Sollte der ausgeworfene Trester während des Entsaftens besonders feucht als Pulpe ausgeworfen werden, lohnt sich das Reinigen des wahrscheinlich verstopften Siebes. Der zu feuchte Trester kann danach ein zweites Mal entsaftet werden. Langfaseriges Gemüse muss vor der Eingabe in etwa 5 cm lange Stücke geschnitten werden, damit längere Fasern das Schneidwerk nicht verstopfen. Da der Champion Entsafter mit seinem Verfahren einen eher sämigen, leicht dickflüssigen Saft liefert, kann dieser für Liebhaber eher dünnflüssiger Säfte nochmals durch ein feines Sieb gegeben werden.

Auspressgeschwindigkeit

Der Champion Entsafter entsaftet langsamer als andere Entsafter, dafür aber größere Mengen in einem Durchlauf. 1 kg Äpfel und 1 kg Karotten lassen sich innerhalb von 15 Minuten in einem einzigen Arbeitsgang entsaften [2]. Natürlich sind Zentrifugalentsafter wie der Gastroback Design Juicer schneller: dieser schafft dieselbe Menge in nur 4 Minuten, dafür gehen aber schon während des Entsaftens wichtige Vitamine und Enzyme verloren. Andere Saftpressen werden bei solchen großen Mengen an Pressgut zwischendurch zu heiß und benötigen eine Auszeit zur Abkühlung oder müssen von Trester befreit werden, während der Champion einfach weiter läuft.

Kritikpunkte bei der Bedienung

Was bei der Bedienung bemängelt wird, ist das Austropfen von Saft an einigen Verbindungsstellen am Gehäuse und, dass sich die weißen Kunststoffteile schnell verfärben (z.B. bei Karottensaft). Das Austreten und Herausspritzen des Saftes aus dem Gerät ist auf das Fehlen von Gummidichtungen zurückzuführen, wodurch die Plastik-Vorsatzteile nicht immer zu 100% abdichten.

Saftqualität und Saftsausbeute

Wie gut ist der Saft?

Der Champion arbeitet mit 1.400 Umdrehungen pro Minute. Diese Drehzahl ist im Vergleich zu anderen Slow Juicern hoch und kann zu etwas erhöhten Temperaturen [3] und unnötigen Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft führen. Man kann die Funktionsweise deshalb als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnen, wenn man sich moderne elektrische Saftpressen ansieht. Der Oscar Neo DA-1000 besitzt z.B. eine Umdrehungszahl von 63 – 75 U/min und der Panasonic MJ-L500SXE Slow Juicer von 40 U/min.  Allerdings sind die 1.400 Umdrehungen pro Minute immer noch besser als das Zerfetzen der Frucht mit einem Zentrifugalentsafter, der mit 10.000 bis 15.000 Umdrehungen pro Minute arbeitet. Deshalb ist es nicht überraschend, dass der Saftgeschmack  von Stiftung Warentest zwischen „Gut“ (für Äpfel) und „Sehr Gut“ (für Möhren) bewertet wurde. Die Säfte sind kräftig, frisch und geben den Eigengeschmack des Obstes bzw. des Gemüses wieder. Allerdings: der Fruchtfleischanteil fällt relativ hoch aus: bis zu 15 %. Für eine Saftkur bzw. Saftfasten mit klaren Säften müssen diese also zusätzlich durch ein Sieb laufen.

Die Saftausbeute des Champion Entsafters bewegt sich laut Stiftung Warentest im Bereich Gut bis Sehr Gut (getestet wurden Äpfel, Möhren und Weintrauben). Ein Test des ETM-Testmagazins aus dem Jahr 2012 zeigt jedoch, dass im Vergleich zu modernen elektrischen Saftpressen, wie die Jupiter Juicepresso 868 100, die Green Star Elite und die Tristar SC-2285, der Champion Entsafter die geringste Saftausbeute liefert.

Welches Pressgut lässt sich mit dem Champion gut entsaften?


Harte Früchte- und Gemüsesorten (Rote Beete, Apfel, Karotten, Radieschen)

Weiche Früchte- und Gemüsesorten (Orangen, Salatgurke, Zucchini, Tomaten)

Trauben

Faseriges Gemüse (Selleriestangen)

Blattgemüse (Blattpetersilie / Spinat), Kräuter

Weizengras

Die Vielfalt an Pressgut, welches mit dem Champion effizient entsaftet werden kann, ist eher beschränkt. Er eignet sich zum Beispiel gut für die Herstellung von Apfel- und Karottensaft oder auch Traubensaft (hartes und weiches Obst und Gemüse). Für das Entsaften von Weizengras, Blattgemüse und Kräutern ist der Champion jedoch nicht optimal, da sich Gräser im Schneidewerk verfangen und dieses verstopfen können [1].

Was kann der Champion Entsafter noch?

Kommt die Kunststoffplatte zum Einsatz, kann auf einfache Art noch Folgendes produziert werden:

  • Püree
  • Babynahrung
  • Nussmus
  • Apfelmus 
  • Eiscreme

Dabei ist darauf zu achten, dass keine trockenen Erzeugnisse zum Einsatz kommen. Nüsse sollten z.B. vorher in Wasser eingeweicht werden. Die erhältlichen Zubehörteile, Getreidemahlvorsatz und Weizengras-Kit, führen zu keinen überzeugenden Ergebnissen und können nicht empfohlen werden [4].

Reinigung

Die Reinigung der Einzelteile des Champions erfolgt per Hand, denn keines der Teile des Entsafters ist spülmaschinengeeignet. Das Reinigen des Schneidwerks und der Teile des Vorsatzes sollte durch Abspülen mit kaltem Wasser erfolgen. Die Motorwelle muss von Zeit zu Zeit mit ein paar Tropfen Olivenöl eingefettet werden. Das Reinigen des Siebes erfolgt am besten mittels einer Bürste. Wegen schwer zugänglichen Stellen ist die Reinigung etwas aufwendiger als bei anderen elektrischen Saftpressen, wie z.B. dem Oscar Neo DA-1000 bzw. Bionika DA-1000. [2]

Sicherheit

Positiv zu erwähnen ist, dass der Champion-Entsafter mit einem Magnet-Sicherheits-System ausgerüstet ist, welches den Motor stoppt, wenn das Schneidewerk nicht durch den Vorsatz geschützt ist. Ein negativer Punkt bei der Sicherheit ist die Öffnung am Tresterauslauf, die ein Verletzungsrisiko für kleine Kinder darstellen könnte, die mit ihren neugierigen Händen überall hineinfassen wollen.

Norman W. Walker und die Champion Saftpresse

Der Ernährungsforscher Norman W. Walker ist einer der bedeutendsten Vorreiter im Bereich der Ernährung mit frisch gepressten Säften und Rohkost. Seine Bücher sind bis heute Vorbild für viele Forscher und Autoren. Eines seiner bekanntesten Bücher ist das Buch „Frische Frucht- und Gemüsesäfte“. Darin empfiehlt er die Champion Saftpresse. Durch sein eigenes Leben hat Walker beispielhaft bewiesen, dass man mit frischen Säften, Rohkost und seelischer Ausgeglichenheit seine Vitalität bis zu einem hohen Alter bewahren kann. Er ist fast 100 Jahre als geworden.

Vor- und Nachteile im Überblick


Vorteile

  • robust und langlebig
  • metallische Ummantelung
  • Schneidewerk mit Edelstahlklingen
  • entsaftet große Mengen ohne Unterbrechung
  • schonenderes Entsaften als bei Zentrifugalentsaftern
  • qualitativ gute Säfte
  • ideal für Liebhaber von dickflüssigen Säften
  • Magnet-Sicherheits-System
  • Herstellung von Püree- und Babynahrung möglich



Nachteile

  • Vorschneiden erforderlich
  • teuer
  • schwer
  • lauter als ein Slow Juicer
  • entsaftet langsam
  • etwas komplizierte Reinigung
  • Austreten von Saft aus dem Gerät
  • nicht für Gräser und Blattgemüse geeignet
  • Öffnung am Tresterauslauf bietet Verletzungsrisiko
  • hoher Energiebedarf
  • weiße Kunststoffteile können sich schnell verfärben


Quellen:

[1] etm-testmagazin.de 09/ 2012 Entsafter im Vergleich: Note „Gut“ (91,4 %)
[2] Stiftung Warentest 07/2003: Note „Gut“ (2.0) für den Champion Entsafter
[3] Bewertungen
[4] www.perfektegesundheit.de

Fazit: Robust, aber nicht mehr zeitgemäß

Der Champion Entsafter besitzt von der Funktionsweise her nur wenig Gemeinsamkeiten mit den modernen elektrischen Saftpressen und Slow Juicern und ist mit einem Preis über 400 Euro definitiv zu teuer. Technisch ist er auf dem Stand von vor 60 Jahren. Heutzutage gibt es bessere und günstigere Entsafter, die schonender, leiser und schneller entsaften, einen niedrigeren Stromverbrauch haben und in der Lage sind besser Blattgemüse und Weizengras zu verarbeiten.

Dennoch ist der Champion viel besser als einen Zentrifugalentsafter und zeigt sich mit einer langen Lebensdauer als zuverlässig im Dauergebrauch. Er liefert bei einer relativ guten Ausbeute qualitativ hochwertige Säfte und ist bestens für den täglichen Einsatz geeignet. Wenig geeignet erscheint er allerdings für einen sporadischen Gebrauch. Wer also nach einem „robusten Arbeitspferd“ sucht und die Vorteile der modernen Slow Juicern nicht braucht, dann wird er mit dem Champion Entsafter zufrieden sein.


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