Brot backen mit dem Gärkorb

Die Zahl der Bäckereien und Backshops, die aus industriell vorgefertigten Rohlingen oder fertigen Mischungen Brote, Brötchen & Co. backen, will scheinbar kein Ende nehmen. An jeder Straßenecke findet sich ein solcher Laden, dazu noch die Supermärkte und Discounter die vermeintlich frische Ware zu Billigpreisen anbieten. Mit gutem Brot hat das häufig nichts zu tun.

Teigrohlinge – was ist da eigentlich drin?

Wir kennen das alle: Man fragt in einer Bäckerei nach einer speziellen Zutat in einem der angebotenen Backwaren und nur selten kann der Mitarbeiter direkt Auskunft geben. Schnell wird zum Zutatenordner gegriffen, – wenn er denn da ist, und sich hilflos nach den Kollegen umgesehen. Selbst wenn das gewünschte Brot oder die angefragte Zutat im Ordner zu finden ist, – und das kommt sind wir ehrlich, nur recht selten vor, – dann erlaubt der Zutatenordner keinerlei Rückfragen. Ein großes Fragezeichen steht über allem, während schnell der nächste Kunde bedient wird. Fakt ist, selbst Insider wisse oftmals nicht, was genau in den, in große Mengen zugekauften, Teigrohlingen zu finden ist.

Gute Brot braucht die richtigen Zutaten und unentbehrliche Helfer

Wer will schon Stabilisatoren und Geschmackverstärker in Rohlingen, die nur mittels Aromen wie frisches Brot oder Brötchen duften? Immer häufiger reagieren die Konsumenten mit Allergien und gesundheitlichen Beschwerden auf Zutaten und Zusatzstoffe. Um ein natürliches und gesundes Brot zu backen, benötigt man natürlich frische und hochwertige Zutaten. Diese finden sich heutzutage im Bioladen oder Fachhandel. Fehlt nur noch das richtige Werkzeug. Ein Gärkorb ermöglicht Hobbybäckern und gesundheitsbewussten Verbrauchern das Backen eines Gärteiges mit hervorragenden Aromen und Backeigenschaften.

Der Gärkorb – Aromatisches, würziges Brot zuhause backen

Was ist ein Gärkorb?

Gärkörbchen aus Peddigrohr

Gärkörbchen aus Peddigrohr – By fotograf steffen heinz (caronna))[GFDL  or CC-BY-SA-3.0 ], via Wikimedia Commons

Bei einem Gärkorb, auch Gärkörbchen oder Gärschale genannt, handelt es sich um eine Form aus Holzschliff, Peddigrohr, Silikon oder Kunststoff. Mit ihm kann man freigeschobenes, also in freier Form gebackenes Brot, herstellen. Viele Gärkörbe sind verziert, so dass man an eine optisch ansprechende Kruste erhält.

Wofür braucht man einen Gärkorb?

In den Gärkorb wird der Teigling stabilisiert und vor Austrocknung geschützt. Er darf nicht mitgebacken werden, sondern ist nur für den Gärvorgang des Teiges vorgesehen.

Kommt nur der Brotteig in den Gärkorb?

Auf den Boden der Gärkörbe können Saaten, Kerne und Samen gelegt werden. Sie verschönern das Brot, aber aromatisieren es zusätzlich auch.

Wie benutzt man einen Gärkorb?

Der vorbereitete Teigling wird in den bemehlten Gärkorb gelegt. Es empfiehlt sich, den Gärkorb vorher mit Mehl oder Speisestärke zu bestäuben. Dann wird der Gärkorb mit einem feuchten Tuch abgedeckt und an einen warmen Ort gestellt. Dort lässt man ihn die vorgesehene Zeit ruhend ausformen und gären. Nach Beendigung des Gärprozesses wird der Brotteig auf ein Backblech gestürzt und im Ofen fertig gebacken.

Aus welchem Material bestehen Gärkörbe?

Für den privaten Einsatz eignen sich ein Gärkorb aus Holzschliff oder Peddigrohr. Für die gewerbliche Arbeit kann auch Silikon oder Kunststoff verwendet werden.

1) Gärkörbe aus Holzschliff

Sie sind ein vielen Formen erhältlich und besitzen entweder ein Bodenmuster oder ein Muster auf der Innenseite. Hergestellt werden sie aus frischen Fichtenholzstämmen, dass durch rotierende Steinwalzen geführt wird. So entsteht eine fein zerfaste Rohholzmasse ohne chemische Zusätze. Die Fasermasse wird mit Wasser zu einem Faserbrei vermischt, in Formen abgefüllt und anschließend wird das Wasser unter hohem Druck wieder herausgepresst. Die Masse bindet sich, da der Holzbestandteil Lignin und die aneinander gelagerten Cellulose Moleküle sich bei der Trocknung miteinander verbinden. Dann werden die Gärkörbe getrocknet und die Formenränder verschliffen.

Vorteile:

  • Herstellung unter ökologischen Gesichtspunkten
  • Frei von Zusatzstoffen oder chemischen Zusätzen
  • Wird aus heimischem Fichtenholz und Wasser hergestellt
  • Nehmen Feuchtigkeit aus dem Teigling sehr gut auf
  • Speichern Wärme bestens ab
  • Pflegeleicht und besonders einfach zu reinigen

2) Gärkörbe aus Peddigrohr

Bei Peddigrohr handelt es sich um die inneren Triebe der Rattanpalme, die überwiegend aus Asien stammen. Das sehr elastische und biegsame Peddigrohr wird Lage für Lage mit Metallklammern fixiert, bis die endgültige Form entstanden ist. Es gibt Gärkörbe, die komplett aus Peddigrohr bestehen und Modelle, bei Peddigrohr nur für den oberen Rand verwendet wurde und der Boden durch ein Holzbrett ersetzt wurde.

Vorteile:

  • Die Brote erhalten die charakteristische Rillenstruktur
  • Günstiger in der Anschaffung

Welche Vorteile hat Brot aus dem Gärkorb?

Man könnte jetzt meinen, dass es ausschließlich Geschmacksempfindungen einzelner Anwender sind, die positiv über die Gärkörbchen berichten. Aber dem ist nicht so, denn das ein Brot aus dem Gärkorb besser schmeckt ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Grund hierfür ist der höhere Anteil an aromatischer Kruste. Vermalzung nennt der Experte den Vorgang, der für den typischen Geruch und den leckeren Geschmack frisch gebackenen Brotes verantwortlich ist. Und eben dieser findet in der Kruste statt. Brot aus dem Gärkorb wird umseitig gebacken und erhält dadurch rund 70% mehr Kruste, als ein Brot aus der Form. Vollmundig und aromatisch wird dadurch der Geschmack des Brotes. Dabei ist es unerheblich für das Brot an sich, aus welchem Material der Gärkorb besteht.

Gärkörbchen sind praktisch und preisgünstig in der Anschaffung. Mit ein paar Tipps für die richtige Pflege und Lagerung können sie mehrere Jahre halten. Sie lassen sich platzsparend stapeln und erzeugen ein schönes Muster auf der Brotkruste. Sie erzeugen einen typischen und besonders aromatischen Geschmack und sind auch als Geschenk eine tolle Idee.