Ein Getränk aus Obst und Gemüse kann man nicht nur mit einem Entsafter herstellen, sondern auch mit einem Mixer: in dem Fall hätten wir einen Smoothie. Fast jeder, der vor der Entscheidung steht, sich einen Entsafter zu kaufen, stellt sich irgendwann auch die Frage: Ist eigentlich ein grüner Saft gesünder als ein grüner Smoothie? Was ist der Unterschied zwischen beiden Techniken und welche hat gesundheitlich gesehen mehr Vorteile? Die Antworten dazu geben wir hier in unserem Artikel.

Was ist gesünder – Saft oder Smoothie?

Funktionsweise eines guten Entsafters

Gute Entsafter, wie die Slow Juicer, arbeiten ähnlich wie die Zähne im Mund beim Kauen und ersetzen somit den ersten Schritt der Verdauung im menschlichen Körper. Die Presse (Schnecke) drückt auf den Fasern und den Zellen der Pflanzen mit einer sehr langsamen Geschwindigkeit von ca. 40 bis 70 Umdrehungen pro Minute. Diese werden mit hohem Druck zermahlen und aufgebrochen. Es wird nichts in der Luft herumgewirbelt wie beim Smoothie. Die Zellen werden durch den Entsafter quasi vorgekaut, die Vitamine sind also bereits aufgeschlossen noch bevor sie im Verdauungstrakt gelangen. Sie sind in dieser Form viel leichter und schneller vom Körper absorbierbar, als wenn sie zum Teil noch in den Fasern vorliegen, wie bei den Smoothies.

Funktionsweise eines Mixers

Ein Mixer arbeitet dagegen mit ca. 25.000 – 35.000 Umdrehungen pro Minute (viel höher als beim Slow Juicer und auch höher als bei einem Zentrifugalentsafter, der mit ca. 10.000 Umdrehungen pro Minute entsaftet. Dr. Brian Clement erklärt den Nachteil, der daraus entsteht folgendermaßen: Wenn man Früchte und Gemüse mit dem Mixer zerkleinert wird viel Luft gewirbelt und durchgepustet. Das Ergebnis ist, dass ein Großteil der Vitamine oxidiert. Zudem wird der Smoothie nicht gekaut, sondern direkt geschluckt und es fehlt der erste Verdauungsschritt, der schon im Mund mittels Enzymen stattfindet (bei Säften ist dieser nicht nötig, da keine Fasern enthalten sind und die Vitamine aufgeschlossen vorliegen). Dadurch kann der Smoothie nicht so gut im weiteren Verlauf im Magen verdaut werden und fermentiert. Es entstehen Gase im Bauch. Säfte dagegen können von jedem Menschen verdaut werden, den sie wurden bereits durch den Entsafter vorgekaut und enthalten keine Fasern, die die Verdauung belasten. Als Folge dieses Gedankens kann man den Smoothie eher als ein „Fun-Getränk“ ansehen, anstatt als Gesundheitsbombe oder Heilmittel (siehe auch dieses Video von Dr. Clement).

Aus meiner Sicht ist das wichtigste Argument für einen Entsafter (speziell auf den horizonatalen Slow-Juicer bezogen), dass die Säfte lebendiger, vitaminreicher schmecken. Das kann man vielleicht wirklich erst dann beurteilen, wenn man zuerst einen Slow-Juicer gehabt hat und dann einen Smoothie getestet hat. Es fehlt eine Art Energie und Vitalität in dem Smoothie, die im Saft deutlich zu spüren ist. Ich habe das Gefühl, dass nach 1 Minute alles im Mixer tot gemixed wurde, während bei einem langsam extrahierten Saft Bestandteile wie Vitamine und Ballaststoffe nur voneinander getrennt werden, aber trotzdem ihre Vitalität erhalten bleibt. Diese Theorie wird noch dadurch unterstützt, dass nach dem Entsaften, der Saft kalt ist, ein Smoothie ist dagegen nach einem Mixvorgang von 60 Sekunden lauwarm, bedingt durch die hohe Umdrehungszahl des Motors. Aber es ist nicht nur ein Gefühl, es gibt auch Labortests zu dem niedrigeren Vitamingehalt bei Smoothies.

Labor Tests zeigen: Säfte aus dem Entsafter enthalten mehr Vitamine als Smoothies

Labor Tests des Australian Government National Measurement Instituts in Melbourne [1] von 2013 zeigen, dass ein grüner Saft, der mit einem Entsafter hergestellt wurde, bis zu zwei Mal höhere Konzentration an Vitamine und Beta-Carotine enthält als ein Smoothie, der aus den selben Ausgangszutaten mit einem Mixer hergestellt wurde. Die Tests wurden in beiden Fällen mit Grünkohl, Orangen, Sellerie, Karotten und Äpfel durchgeführt.

Man erhält eine höhere Dosis an leicht verwertbare Vitaminen, Carotine (Antioxidanten) und sekundäre Pflanzenstoffe mit einem Saft als mit einem Smoothie aus der selben Menge Gemüse und Früchte. Ach wenn man den Zusatz an Wasser in der Gesamtkonzentration der Vitamine in Smoothies berücksichtigt, beträgt die Vitamin C-Konzentration 43,8 % der empfohlenen Tagesdosis pro Portion, was immer noch die Hälfte von der eines Saftes ist. Man müsste also mehrere Smoothies trinken, um die gleiche Dosis Vitamine zu erhalten. Zudem werden aufgrund der fehlenden Faser- und Ballaststoffe die Vitamine aus Säften schneller vom Körper absorbiert als aus Smoothies. So kann man gezielter gegen bestimmte Vitaminmängel vorgehen. Damit kann man einen Saft als eine Art Heilmittel bezeichnen, oder zumindest als Immunstimulant.

Säfte reinigen den Körper („Saftfasten“)

Ein anderer Grund warum man gerade Säfte trinkt und nicht Smoothies, ist dass man mit Säften eine Fastenkur (Saftfasten) machen kann und mit Smoothies nicht. Der Sinn eines Saftfastens ist die Entlastung des Verdauungssystems, damit der Körper die ganze Energie dazu verwenden kann, sich selber zu entgiften und zu reinigen. Die Pflanzenfasern stellen dabei nur ein Hindernis dar und sind nicht erwünscht. Rohkostler gehen davon aus, dass es eine Reihe von Krankheiten, die mit einer Saftkur oder Saftfasten geheilt werden können.

Ist das Fehlen der Ballaststoffe bei Säften gut oder schlecht für den Körper?

Hier soll nicht der Eindruck entstehen, dass Ballaststoffe ungesund sind. Im Gegenteil, sie sind sehr wichtig für eine gesunde Verdauung. Jedoch gehen Befürworter des Entsaftens davon aus, dass man seine Ballaststoffe durch die normale Ernährung aufnimmt (in Form von Obst und Gemüse), der Saft liefert einfach zusätzliche Vitamine in konzentrierter, gelöster Form (und muss daher keine Ballaststoffe enthalten). Man ersetzt keine Mahlzeit durch einen Saft, sondern trinkt ihn zusätzlich zu der Mahlzeit. Daher macht es keinen Sinn darin Fasern zu haben, die die Verdauung zusätzlich belasten. Das Fehlen von Ballaststoffe im Saft kann jedoch ein Nachteil für Diabetiker sein (dazu später mehr).

Nachteil des Entsaftens: der Trester?

Ein Nachteil, den viele Gegner der Entsafter sehen, ist dass viel Trester entsteht, und somit ein großer Teil der Frucht im Mülleimer landet. Allerdings muss man den Trester ja nicht wegwerfen, es gibt sehr viele leckere Rezepte, bei denen der Trester als Grundlage dient: Bratlinge mit Reis und Möhrentrester, Rote Bete-Kokos Bällchen, Rohkost Möhrenkuchen oder Oranger Rührkuchen mit Trester von Möhren und Äpfeln.

Fruchtzuckergehalt im Vergleich

Die Fruchtzuckerkonzentration in Säften ist höher als bei Smoothies, deshalb sollten Diabetiker auf die richtige Zusammensetzung der Säfte achten. Wenn die Säfte nur aus Früchte bestehen, wird der Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Anstatt pure Fruchtsäfte sollte man in dem Fall Gemüsesäfte trinken oder eine Mischung aus Gemüse und Früchten mit niedrigem Glykämischen Index. Auch für gesunde Menschen ist es empfehlenswert nicht nur Früchte, sondern Gemüse mit Früchte in dem Saft zu mischen, und nicht in Massen, sondern in Maßen die Säfte zu genießen. Zudem sollte der Saft am besten zu der Mahlzeit oder mit einem Snack eingenommen werden. Zusätzliche Nahrungsmittel verlangsamen die Absorption von Fruchtzucker und reduzieren den Glukose-Anstieg im Blut.

Im Gegensatz zu Säften enthalten Smoothies Ballasstoffe, die die Aufnahme von Zucker im Körper sanfter regeln. Hier braucht man also keinen zusätzlichen Snack und man kann den Smoothie, ohne an eine Mahlzeit gebunden zu sein, trinken.

Mischen Sie immer Früchte mit Gemüse, wenn Sie entsaften, z.B. im Verhältnis 20%-80%. Ein reiner Obstsaft ist aufgrund des höheren Fruchtzuckergehalts nicht zu empfehlen.

Vorbereitungszeit und Reinigungszeit beider Geräte im Vergleich

  • Mixer Reinigung: schnell erledigt

Um mit einem Mixer einen leckeren Smoothie zuzubereiten, braucht man viel weniger Zeit als mit einem Entsafter einen frischen Saft zu pressen (vor allem bei den horizontalen Slow Juicer). Beim Smoothie Maker muss man nur das Gemüse und die Früchte waschen und gegebenenfalls schälen. Dann alles in dem Mixer-Behälter füllen, die Geschwindigkeit einstellen falls diese Option vorhanden ist und den Startknopf drücken. Meist reichen 60 Sekunden völlig aus, auch bei härteren Gemüsesorten. Die Reinigung dauert nur ein paar Sekunden, da nur der Mixer-Behälter, der meist aus Kunststoff besteht, mit Wasser (und eventuell Pril) ausgespült werden muss. Man ist mit Allem in ca. 3 Minuten fertig.

  • Entsafter Reinigung: dauert etwas länger

Mit einem Entsafter hat man ein bisschen mehr zu tun. Wenn es sich um einen vertikalen Entsafter mit einer extrabreiten Einfüllöffnung handelt, dann ist die Vorbereitungszeit dieselbe wie beim Smoothie-Maker. Horizontale Entsafter haben jedoch meist kleinere Öffnungen und das Obst und Gemüse müssen entsprechend der Größe der Öffnung vorgeschnitten werden. Bei allen Etsaftern müssen mehrere Teile: Behälter, Schnecke, Sieb, Deckel mit Einfüllöffnung zusammengebaut werden (dauert in der Regel ca. 30 Sekunden). Der aufwendigere Teil bei einem Entsafter ist die Reinigung der Einzelteile. Es kann zwischen 2 und 7 Minuten je nach Modell dauern bis alles sauber ist. Das Entsaften dauert auch einige Zeit (zwischen Sekunden und ein paar Minuten). Insgesamt wäre man mit Allem in ca. 4-10 Minuten fertig.

Fazit: Entsafter oder Mixer?

Willst Du eine Saftkur machen und Deinen Körper entgiften oder einfach im Alltag mehr Vitamine und Antioxidanten als Immunstimulanten zu Dir nehmen, um Krankheiten vorzubeugen? Dann ist ein Entsafter, speziell ein Slow Juicer, das richtige Gerät für Dich. Oder ist Dir die smoothig-samtige Konsistenz der Smoothies wichtiger, sowie der schnelle Einsatz und die schnelle Reinigung des Mixers? Dann bist Du mit einem Smoothie-Maker besser bedient.

Die Stärke des Mixers liegt weniger bei grüne Smoothies, sondern eher bei stärkehaltigen Früchten und Milchshakes, wie Bananen-Milchshake oder Kombinationen mit Avocado. Mixer haben vor allem ihre Berechtigung, wenn es  darum geht sehr harte Nahrungsmitteln zu zerkleinern, wie Mandeln, Cashewkerne und Kaffee. In diesen Fällen, ist die hohe Umderhungszahl nicht übertrieben, sondern genau richtig. So kann man z.B. Mandelmuss, Mandelmilch, Cashew-Bananen-Softeis oder Kokosmilch aus frischer Kokosnus herstellen.

Empfehlenswerte Entsafter findest Du auf dieser Seite: Entsafter Test und Testsieger.

Quellen:

[1] www.juicingscience.co.uk
[2] www.fda.gov