Brennnessel als Nutz- und Heilpflanze

Die Brennnessel ist erst einmal bei den Menschen nicht sonderlich beliebt, denn fast jeder hat schon die Erfahrung gemacht und ist mit einer Brennnessel in Berührung gekommen. Bei der Berührung der Brennhaare bricht das Köpfchen an einer dafür vorgesehenen Stelle ab und es bleibt das Haar mit seinen scharfen Ecken. In die Haut des Menschen entleert sich dann ein Gemisch, das auf der Haut juckende Quaddeln hinterlässt. Dieses Gemisch enthält Natriumformiat, Serotonin, Histamin, Acetylcholin und Ameisensäure.

Trotzdem handelt es sich bei der Brennnessel um eine sehr nützliche Pflanze für den Menschen und die Natur. Sie sorgen in der Erde für neue Humusbildung, geben an den Boden Mineralien ab und sorgen dafür, dass der Stickstoffgehalt im Boden geregelt bleibt. Dies können sich Gartenbesitzer zu Nutze machen. Für den Menschen ist die Brennnessel eine gute Heilpflanze. Um die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben, bietet sich eine Kur mit Brennnesseln an. Sie regt nicht nur die Blase und die Nieren an, sondern auch die Tätigkeit des Magens des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Im März fängt sie an hochzuwachsen. Die große Brennnessel kann bis zu 1,50m hoch werden. Von der Brennnessel gibt es männliche und weibliche Pflanzen. Die weiblichen erkennt man an ihren langen Blütenrispen, die herunterhängen. Die Blüten der männlichen Pflanzen stehen aufrecht empor. Bei der kleinen Brennnessel allerdings finden sich die Stempel- und die Staubblüten an ein und derselben Pflanze. In Zeiten der Not diente die Brennnessel schon als gesundes Gemüse und hatte dabei den Vorteil, dass es überall zu sammeln war. Auch heute können wir uns die gesunde Wirkung der Brennnessel zugutekommen lassen. Die Brennhaare werden durch Ausdrücken, heiß übergießen oder blanchieren unschädlich gemacht. Danach kann man aromatischen Brennnesselspinat oder gesunden Salat zubereiten. Im Erzgebirge wird beispielsweise die Nesselsuppe traditionell gegessen. Verwendet werden von den Brennnesseln die Wurzel, die Blüten und die Blätter. Die Blätter enthalten viel Eisen, Eiweiß, Magnesium, Kalzium, Vitamin A und sieben Mal mehr Vitamin C als Orangen. Rheuma und Gicht lassen sich hervorragend mit der Brennnessel behandeln. Hier hilft eine Abreibung mit den Blättern. Es ist sicher nicht angenehm, baut aber Giftstoffe ab, die sich in den Muskeln, in den Gelenken oder im Blut angestaut haben.

Die Brennnessel ist außer in arktischen Regionen und in tropischen Gebieten auf der ganzen nördlichen Halbkugel zu finden. Oft zeigt sie an, dass Gebäude leerstehen. Erstaunlich ist, dass sie wirklich überall wachsen. Auf Schutthalden, Baustellen, an Straßenrändern und verlassenen Orten, die nicht den Eindruck erwecken, als wären sie für die Ansiedlung von Pflanzen geeignet.
Wo sie vermehrt wachsen, lässt sich ein stickstoffreicher Boden erkennen. Früher schon wurde aus den Fasern der Brennnesseln Nesseltuch hergestellt. Es ist von guter Qualität, denn es verrottet nicht und ist extrem widerstandsfähig. Mit der Wurzel und den Blättern können Stoffe gefärbt werden.

Die getrocknete Pflanze ist von der Wirkung her etwas schwächer als die Frische. Doch der Tee aus getrockneten Blättern der Brennnessel hilft bei erkrankten Harnwegen und der Blutreinigung. Die Brennnesselsamen gelten als stärkendes Mittel bei Erschöpfungszuständen. Die reifen Samen werden getrocknet und trocken aufbewahrt. 1-2 Eßl. Können am Tag zu sich genommen werden. Zum Beispiel auf dem Butterbrot oder im Salat.